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Modern, offen, innovativ: Wie du deine Unternehmenskultur verändern kannst

Schon in den 70er Jahren wurde die Unternehmenskultur als ein wichtiges Standbein für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens erkannt. Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, mit dem Unternehmen identifizieren und dadurch mehr ihres Potenzials nutzen und einbringen.

Auch konstruktive Kommunikation und die Konfliktbewältigung sollen dadurch gefördert und verbessert werden.

Aber was kannst du dir unter dem Begriff Unternehmenskultur genau vorstellen und wie kann sie sich in deinem Unternehmen entwickeln? In diesem Beitrag möchte ich einen kurzen Überblick mit ein paar konkreten Tipps zu diesem umfangreichen und auch schwer greifbaren Thema wagen.

Was ist die Unternehmenskultur und warum sollte ich mir Gedanken darüber machen?

Eine Unternehmenskultur vereint die Werte, Vorstellungen und Ziele eines Unternehmens mit den täglich gelebten Arbeitsabläufen, Routinen und Strukturen. Die DNA des Gründers und der Führungskräfte fließt dabei genauso mit ein wie die DNA aller Mitarbeiter.

Eine positive Unternehmenskultur fördert Kreativität und die Freude an der Arbeit, so dass ein Unternehmen, selbst in schwierigen Zeiten, innovativ bleibt und sich selbst weiter entwickelt. Auch potenziellen neuen Mitarbeitern wird die Unternehmenskultur immer wichtiger – gerade in Bezug auf die Generation Y.

Mehrere Studien, wie zum Beispiel die des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, stellten außerdem einen starken Zusammenhang zwischen der Unternehmenskultur und dem finanziellen Erfolg eines Unternehmens her.    

“Die durchgeführten Analysen ergeben, dass ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur, Mitarbeiterengagement und Unternehmenserfolg besteht.”

Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland, S. 14

Was macht eine starke Unternehmenskultur aus?

Entscheidend ist nicht, was nach außen hin präsentiert wird – nicht die in Broschüren, auf Webseiten oder Veranstaltungen publizierten, oftmals im copy-and-paste Verfahren entwickelten Leitbilder. 

Entscheidend ist der gelebte Alltag, der Umgang mit Konflikten, die Arbeitsbedingungen, der Umgang mit Ideen und Kritik, die Art der Kommunikation und der Grad der Transparenz, die spürbare Atmosphäre und das Miteinander der Menschen untereinander und gegenüber Kunden und Partnern.

Eine starke Unternehmenskultur ist geprägt von Offenheit, Vertrauen, Transparenz und Kommunikation. Darüber hinaus ist die klare Identität und Vision des Unternehmens erkennbar. Mitarbeiter haben keine Angst vor Fehlern. Konstruktive Kritik und hierarchieübergreifendes Feedback ist gewünscht, wird beigebracht und gefördert. Mehr Risikobereitschaft und mehr Mut, um den gemeinsam gesetzten Zielen näherzukommen, finden sich ebenso wie engagierte und produktive Mitarbeiter.

In einer schlechten Unternehmenskultur herrschen im Gegensatz dazu hohe Fluktuationsraten und Krankenstände. Häufig wird sie auch als Kultur der Angst oder Fehlerkultur bezeichnet. Schuldsuchen, Machtspiele und der Ruf nach Konsequenzen sind an der Tagesordnung. Die Mitarbeiter versuchen, möglichst wenig Fehler zu machen und sich abzusichern, anstatt mutig nach vorne zu gehen. Sie arbeiten weniger kreativ und lösungsorientiert, dafür agieren sie ängstlich und zurückhaltend.

Oftmals ist es nicht ganz so schlimm um eine Unternehmenskultur bestellt wie soeben beschrieben. Doch sehen viele Menschen wenig Sinn in ihrer Tätigkeit und empfinden ihre Unternehmenskultur ambivalent: Sie wissen nie so recht, ob sie nun dazu gehören möchten oder nicht und sind emotional nicht mit ihrer Aufgabe verbunden. Und auch das schwächt die Innovationskraft eines Unternehmens.

Eine positive Unternehmenskultur will daher natürlich jeder. Damit das gelingen kann, solltest du beim Status quo beginnen:

Was ist die heutige Unternehmenskultur meines Unternehmens?

Wie lässt sich also eine Unternehmenskultur finden, der Status quo ermitteln, wenn sie so schwer greifbar ist?

Eine Möglichkeit dafür sind anonyme Mitarbeiterbefragungen, zum Beispiel mittels eines Online-Fragebogens.  Auch Kunden können Hinweise darauf liefern, wie sie die Kultur innerhalb des Unternehmens empfinden. Arbeitgeberbewertungsportale und Social-Media-Seiten können ebenfalls als Quellen herangezogen werden.

Zudem existieren im Markt verschiedenste Methodiken, welche den Versuch unternehmen, eine Unternehmenskultur konkret messbar zu machen. Die notwendige Auseinandersetzung damit würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen, ich werde in einem folgenden Beitrag detailliert darauf eingehen.

Wichtiger als diese Methoden scheint mir aber ohnehin, mit wachen und achtsamen Augen dein Unternehmen wahrzunehmen und dir ehrliches Feedback deiner Mitarbeiter einzuholen.

Wenn du dabei feststellst, dass die Unternehmenskultur deines Unternehmens scheinbar nicht so aussieht, wie du es dir wünschst, folgt gleich die nächste Frage:

Wie lässt sich eine Unternehmenskultur verändern?

Die Veränderung bzw. Entwicklung einer Unternehmenskultur immer schwieriger, je größer das Unternehmen wird: Als Gründer oder Inhaber hast du irgendwann nur noch begrenzten Einfluss und der Prozess folgt einem eigenen Rhythmus der nicht zwangsläufig deiner Vorstellung entsprechen muss.

Die sichtbaren Dinge können dabei zwar relativ leicht verändert werden, wenn zum Beispiel ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt werden oder die Organisationsstruktur überarbeitet werden soll.

Auch Rituale, Logos, Marken und Leitbilder sind schnell ausgetauscht. Die dahinterstehenden, oft unbewussten Vorstellungen oder Werte lassen sich jedoch nicht so schnell verändern. Hier zeigt sich häufig eine Diskrepanz zwischen den nach außen gezeigten und tatsächlich gelebten Werten eines Unternehmens.

Mitarbeiter einbeziehen

Viel entscheidender ist, dass Mitarbeiter aktiv in den Findungs- und Veränderungsprozess mit einbezogen werden und dass die gewünschten Werte und Normen vorgelebt werden, von der Unternehmensleitung und deren Führungsmannschaft. Zudem sollten bisherige, vermeintliche Erfolgsrezepte in Frage gestellt werden um in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und demografischen Wandels das Fortbestehen des Unternehmens zu sichern.

Den Kern des Unternehmens entdecken

Letztendlich geht es nämlich nicht darum, deinem Unternehmen mittels eines Change Managements eine neue Unternehmenskultur, die gerade en vogue erscheint, über zu stülpen.

Stattdessen geht es darum, den Kern deines Unternehmens, die zugrundeliegenden Werte, zu finden und herauszubilden. Eine klare Identität verbunden mit einer strahlenden Vision sichtbar, spürbar und erlebbar werden zu lassen.

Was tut dein Unternehmen Sinnvolles? Was ist der Zweck der Existenz deines Unternehmens?

Diese Fragen solltest du dir als Gründer oder Unternehmensleiter stellen, denn immer mehr Menschen tun genau dies im Hinblick auf ihren Arbeitsplatz und bei der Entscheidung, in welchen Unternehmen sie arbeiten möchten. So hat auch die internationale Befragung der CBRE ergeben, dass für die kommende Generation Sinn und Zweck ihrer Arbeit weitaus wichtiger sein werden als die Bezahlung.

unternehmenskultur-arbeitswelt.jpg Fast Forward 2030, Executive Summary, S. 1

Der ehemalige McKinsey-Berater Frederic Laloux beschreibt daher sogar die Organisation von Unternehmen, welche ganz ohne die üblichen bekannten Strukturen auskommen und im Einklang mit der Gesellschaft und den Menschen stehen, wie Karrierebloggerin und Coach Svenja Hofert zustimmend erklärt.

Der Anspruch an Arbeit ist nicht mehr länger nur das Einkommen sichern, sondern sie will auch als sinnvoll empfunden werden und Zufriedenheit ermöglichen. Indem du also den Sinn deines Unternehmens klar benennen kannst und sichtbar machst, legst du die entscheidende Grundlage für andere zur Sinnkopplung, um mit dir in die gleiche Richtung zu gehen. 

“Sinnkopplung” ist der Moment, in dem ein Mensch emotional, unbewusst und bewusst an jemanden bzw. etwas (einen anderen Menschen oder ein Unternehmen, eine Bewegung, Idee, Gemeinschaft, Marke etc.) so anknüpft, dass sich von diesem Moment an sein Handeln und Denken ändert.”

Gebhard Bork - Sinnkopplung

Der Mitarbeiter arbeitet dann nicht mehr nur für das Gehalt, sondern um eine Aufgabe zu erfüllen. Kombiniert mit einem Arbeitszeitmodell wie zum Beispiel der Vertrauensarbeitszeit kann so eine vertrauensvolle, am Menschen orientierte Unternehmenskultur entstehen, die den Herausforderungen der heutigen Zeit etwas entgegensetzen kann.

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Quelle: Embrace 

Eine moderne, innovationsförderliche Unternehmenskultur entwickeln ...

... ist also nicht so einfach. Es ist vielmehr das genaue Gegenteil, eher die Königsdiziplin, voller Komplexität und verschiedensten Einflüssen. Daher solltest du dich nicht zu der Annahme verleiten lasse, eine Unternehmenskultur ließe sich nach einem strikten Plan entwickeln. Vielmehr entsteht sie durch dein Verhalten und das Verhalten deiner Mitarbeiter während der täglichen Arbeit:

You don´t create a culture. Culture ist the by-product of consistent behavior. If you encourage people to share, then sharing will be built into your culture. If you reward trust, then trust will be built in. If you treat custumers right, then custumers treating right will becomes your culture. Culture is action, not words.

Jason Fried - ReWork

Das Vorleben, die Beständigkeit und Konsistenz des eigenen Handelns und vor allem der Einbezug der Mitarbeiter sind daher, neben dem Zweck deines Unternehmens, die entscheidenden Faktoren. 

Aber auch noch ein weiterer Punkt hat einen gewichtigen Einfluss auf die Unternehmenskultur und vor allem auf deren nachhaltige Entwicklung:

Ein wichtiger Baustein der Unternehmenskultur: die Arbeitswelt

Eine moderne, innovative, offene Kultur mit einer guten Atmosphäre kann nämlich nicht erzeugt werden und sich in einem eigenen Rhythmus weiterentwickeln, solange sich deine Mitarbeiter in einer tristen, grauen Arbeitswelt aufhalten, ganz gleich ob im Büro oder in der Produktion.

Einer Arbeitswelt, welche den Anforderungen für modernes und menschorientiertes Arbeiten nicht gerecht wird. Welche die Wertschöpfung eher behindert als fördert, Kommunikation einschränkt und Kreativität und Innovation fast unmöglich macht. 

Dein Mitarbeiter hat es beispielsweise unnötig schwer, dir persönlich konstruktives Feedback zu geben, wenn er dafür zunächst durch drei verschlossene Türen und ein Treppenhaus muss. Er wird es dann schlichtweg nicht tun. 

Ebenso schwierig ist es, kreative Ideen und Problemlösungen zu entwickeln, wenn die Arbeitsumgebung nicht ansprechend und in gewisser Weise inspirierend ist. Wenn aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und unternehmenspezifische Anforderungen ignoriert und Arbeitswelten nicht aus der Nutzerperspektive entwickelt werden.

Solange wir also in Räumen und Gebäuden arbeiten, welche auf Basis der Arbeitsanforderungen und des Menschenbildes des Industriezeitalters entwickelt worden sind, werden sämtliche Changeprojekte mit dem Ziel, moderne Arbeitsweisen und -kulturen zu entwickeln, höchstwahrscheinlich scheitern. Das ist aktuell auch flächendeckend zu beobachten.

Einige Unternehmen, vor allem in den USA, haben dies bereits erkannt. Sie gehen bereits die ersten Schritte hin zur physischen Verankerung ihrer Unternehmenskultur in ihren Gebäuden und Arbeitswelten um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.

People seek a holistic life: they want to work with intelligent people on exciting and rewarding projects where they can be creative. These demands will impact buildings and workplace design.

Cebre Fast Forward 2030 Executive Summary, S. 2

Fazit

Die Unternehmenskultur ist ein wichtiger und häufig unterschätzter Erfolgsfaktor, der sich jedoch nicht ohne Weiteres verändern lässt. Du als Inhaber, wie auch deine Mitarbeiter und die Arbeitsumgebung beeinflussen die Unternehmenskultur. Sie ist das Ergebnis deiner Handlungen und der Handlungen deiner Mitarbeiter und kann nicht von jetzt auf gleich erzeugt werden oder von oben übergestülpt werden.

Eine klare Vision und ein sinnvoller, sichbarer Zweck deines Unternehmens werden es dir heute und in Zukunft erleichtern, engagierte Mitarbeiter an dich zu binden. Unternehmensräume und -gebäude beeinflussen die spürbare Unternehmenskultur immenz und werden zunehmend an Bedeutung gewinnen, um in der Zukunft der Arbeitswelt bestehen zu können.

Hast du schon Maßnahmen ergriffen, um deine Unternehmenskultur zu verändern? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar oder benutze unser Kontaktformular!

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